Lesbische Spuren im Film


Kleines Resümee


Die politisch motivierten Frauenfilme der siebziger/achtziger Jahre liegen weit hinter uns. Das kurze Aufflackern lesbisch orientierter Film- und Fernsehproduktionen Anfang/Mitte der Neunziger ist ebenfalls erloschen. Vereinzelte Ansätze, sich mit der (jüngeren) Frauen-/Lesbenbewegung bzw. sich mit deren Geschichte zu befassen, gehen in der konventionellen Mainstream-Produktion unter, die immer öfter kleine lesbische Einlagen in mehr oder – häufig immer noch – weniger nette Geschichten einbaut. Samanta Maria Schmidt spricht sogar von einer "Selbstverständlichkeit des Lesbischen auf verbaler Ebene".1 Der Trend scheint zu sein, Frauenbeziehungen filmisch ähnlich zu behandeln wie heterosexuelle Beziehungen. Wenn auch die Produktion diesbezüglich sowohl an Quantität wie auch an Qualität sehr zu wünschen übrig lässt, bleibt immerhin die Hoffnung, dass die filmisch-tradierte Paardarstellung auch im heterosexuellen Miteinander reformiert wird. Nach wie vor spielen Lesben keine entscheidende Rolle im deutschen Filmschaffen, weder vor noch hinter der Kamera. Gibt's zum "Lesbisch leben an sich" nichts (mehr) zu sagen? Oder will es auch keine (mehr) hören bzw. sehen? Gedreht wird nur noch, was Geld bringt. Genderdebatten scheint es im deutschsprachigen Spielfilm ebenfalls nicht zu geben; die Frage nach den Geschlechtern wird weitgehend ignoriert. So verhindert sich die Zukunft des hiesigen lesbischen Filmschaffens selbst: In einem Schwarzen Loch gefangen, dringt nichts mehr nach außen, was zu erforschen sich vielleicht lohnen würde.



© Ingeborg Boxhammer (Bonn 2005)


Zitiervorschlag:
Boxhammer, Ingeborg: Lesbische Spuren im Film - Kleines Resümee [online]. Bonn 2005. Available from: Online-Projekt Lesbengeschichte. Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane. URL <http://www.lesbengeschichte.de/film_resume_d.html> [cited DATE].




1 Samanta Maria Schmidt, Lesbenlust und Kinoliebe. Kirchlinteln 2005, S. 21.